Im Vertrauen…

Meine Güte, diese Geburtswehen treiben mich noch in den Wahnsinn.
Geburtswehen? Nein, kein Kind kommt da zur Welt.
Es ist dieser Schub an Veränderungen.
Es ist so viel und manchmal auch nicht leicht.
Einfach wie bei einer Geburt.
Es steigert sich immer mehr: die Anstrengung und die Anspannung, die raus gelassen werden will. Die Energie des Verabschiedens, die sich entladen will. Manchmal auch der damit verbundene fast unerträgliche Schmerz.
Und dann ist es da. Das Kind, die Veränderung.
So fühlt es sich bei mir zur Zeit an.
Ich bin großteils so fokussiert und klar. Ganz fest in meiner Überzeugung.
Ansprachen, zu-Fälle, Pläne für die nahe Zukunft, die sich fest verankern und auf die gebaut werden kann.
Dann kommen andere Punkte, die mir meine Grenzen oder die Schmerzen der Veränderung aufzeigen.
Am Mittwoch ist meine liebe Nachbarin Sandra von nebenan ausgezogen.
Wir haben gelacht, gequatscht und die eine oder andere Erinnerung Revue passieren lassen.
Am Abend und am Morgen danach war es still. Einfach so viel stiller als zuvor.
Keine Stimmen, kein Kinderlachen, kein Pläuschchen über dem Balkon.
Gleichzeitig hatte ich kaum Ruhe, „Abschied“ von dieser Zeit zu nehmen.
Die Einschulung meines Sohnes stand an und er – natürlich auch ich mich – freute sich sehr auf die Veränderung, die für ihn ansteht.
Gestern ist mir beim Anblick des Stundenplans noch deutlicher klar geworden, dass die Abnabelung auch hier stark voranschreitet oder passiert. An den beiden Tagen der Woche, die ich komplett für mich habe, wird er rund 12h aus dem Haus sein.

Ist es nicht interessant, dass auch hier das Wort „Abnabelung“ genutzt wird.
Ja, dieses Verabschieden der Vergangenheit und das Willkommen heißen der Zukunft, die immer nur im Hier und Jetzt passiert, ist wir eine Geburt. Und unaufhaltsam, wenn sie einmal begonnen hat.

Die Gegenwart passiert und es ist in meinen Augen wichtig, dass wir nicht in alten Mustern verharren.
Einstein soll einmal gesagt haben „Nicht ist so beständig wie die Veränderung!“ Das trifft es ganz genau.
Die Vergangenheit ist vergangen. Wenn etwas zu Ende ist, dann ist es zu Ende. Wie die Abschiede kann sie gehen, damit Neues entsteht. Sie MUSS sogar gehen! Sie ist vorbei. Und das Leben geht weiter.
Sicherlich gibt uns die Vergangenheit eine Art der Sicherheit. Ob sie positiv oder negativ ist, sei dahingestellt.
Das kennen wir, hier können wir uns festhalten wie an einem Strohhalm.
Die Schemata wiederholen sich dadurch aber auch immer wieder. Unsere Sichtweisen, Bewertungen und Denkmuster bleiben gleich. Wir kommen nicht weiter, wir erleben keinen Wachstum und nehmen uns damit noch so viele Möglichkeiten.
Wir gehen davon aus, dass etwas passiert – und es kommt genau so.
Voller trotzigem Stolz und Sicherheit sagen dann manche „Ich hab´s doch gewusst… das konnte doch nichts werden..:“ Das ist übrigens der Satz, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt.

Schade, oder? Schade, denn das Leben hat doch noch so viel mehr für uns zu bieten.
Veränderungen, auch wenn sie noch so klein sind, können die Erfahrungen der Vergangenheit auflösen und umschreiben.
Stimmst Du mir zu und bekomme ich dabei ein JA von Dir – und sei es noch so klein? Mein JA schreie ich laut heraus. Das liegt an den „Geburtswehen“ und daran, dass ich diese Veränderung möchte – sie will!. Zulassen will. Will-kommen!!!
Und dann… ist es geschafft.
Dann stehen uns alle Türen offen. Ändern wir uns und unser Denken, geben wir der Veränderung eine Möglichkeit, dann ändert sich alles.
Denn wir geben dem Wandel eine Chance. WIR geben UNS selbst eine Chance.

Was wir dazu brauchen?
Mut. Eindeutig viel Mut. Denn Leben bedeutet, mutig sein.
Woher der Mut kommt, spielt dabei keine Rolle.
Ob durch Erfahrung, dass alles gut wird.
Ob durch Kalkulation, die alles für uns einschätzbar macht.
Ob durch Schmerz, der für uns einfach nicht mehr zu ertragen ist.
Ob durch Verletztheit, die wir nie wieder erleben wollen.
Mut aus den unterschiedlichsten Bereichen geboren.
Mut auf Veränderung und Wachstum. Etwas besseres im Auge. Glück, Liebe, Zufriedenheit, Frieden.

Wahrhaftig zu leben bedeutet, mutig zu sein.
Wir werden immer dafür belohnt, denn wir machen eine Erfahrung.
Über die Wertigkeit der Erfahrung entscheiden wir selbst. Vergangene negative Erfahrung, kleine nette Erfahrung, große glückliche und beflügelnde Erfahrungen. Wir geben unserer Erfahrung selbst ihren Wert. Wir entscheiden, wie sie sich auf unsere Entscheidungen auswirkt.

Leben bedeutet mutig zu sein. Mutig zu sein bedeutet zu leben.
Beides gehört für mich eng zusammen.
Dabei ist „Mut“ nicht mit „Risiko“ zu verwechseln. Doch auch sie gehören eng zusammen.
Wenn wir mutig sind, tragen wir auch ein gewissen Risiko. Jedes Risiko erfordert Mut.
Doch wo genau liegt der Unterschied und die Grenze zwischen Mut und Risiko?
Ich glaube, das Mut einschätzbarer ist als das Risiko.
Beim meiner Definition von Risiko ist der Ausgang viel unsicherer als in Situationen, in denen Mut erforderlich ist.
Versteht Ihr, was ich meine?
Mut bedeutet für mich, Entscheidungen zu treffen. Auch die kleinen oder völlig Unbewussten. Jeden Tag treffen wir unzählige Entscheidungen. Würden wir uns anders entscheiden, wäre auch das Ergebnis anders. Für uns persönlich meist besser einzuschätzen.
Risiko bedeutet für mich, eine größere Variable zu haben. Einen größeren Unsicherheitsfaktor. Etwas was wir nicht kalkulieren oder kontrollieren können.

Vertrauen. Wir brauchen Vertrauen. Sowohl Mut als auch Risiken benötigen Vertrauen.
Vertrauen, dass es gelingen wird.
Vertrauen, dass alles wieder gut wird.
Vertrauen, dass die neuen Nachbarn nett sind.
Vertrauen, dass die neuen Schüler eine gute Gemeinschaft bilden.
Vertrauen, dass gute Lösungen für die freie Leitungspostition gefunden werden.
Vertrauen, dass uns die Leute, die uns begegnen, die Richtigen sind.
Vertrauen, dass jeder Moment, der Richtige ist.
Vertrauen, dass es das Einzige ist, was passieren kann.
Vertrauen, dass wir uns fallenlassen können, damit wir uns die Möglichkeit gestatten, sanft zu fallen oder gar aufgefangen zu werden.
Vertrauen, dass das Vergangene vergangen ist und sich nicht wiederholt.
Vertrauen, dass wir unser Glück, unsere Liebe, unsere Zufriedenheit finden und sie bleibt.

Vertrauen…
Wollen wir Leben, brauchen wir Vertrauen.
Nicht das Vertrauen anderer.
Nur unser eigenes Vertrauen, das tief in uns schlummert.
Manchmal verschüttet von Verletzungen, manchmal verborgen im Dunkeln eingesperrt durch Regeln und falsche Glaubenssätze, manchmal in Fetzen einer vergangenen Beziehung.
Doch dies ist vergangen. Die Zukunft wartet auf uns. Und wir leben einzig und allein in der Gegenwart.

Leben heißt, zu vertrauen.
Leben wir vertrauensvoll, leben wir in Vertrauen, gelingt uns alles.
Wir brauchen nur ein wenig Mut – und dann spüren wir, was LEBEN heißt…
Vertraue darauf!

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